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Seite 6.94, Federn | eLexikon

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erhält so eine vollkommen reife, sehr elastische und haltbare Ware (lebendiges oder Sommergut zum Unterschied von dem toten oder Wintergut, welches die geschlachteten Gänse liefern). Die mit Gewalt ausgerupften Federn enthalten, weil sie noch unreif sind, Fett und werden daher von Milben angegriffen. Stall- und Mastgänse haben weniger gute Federn als die auf der Weide [* 2] erzogenen Tiere; am schlechtesten sind Federn von krepierten Vögeln. Die Federn der wilden Gänse sind reiner und elastischer als die der zahmen.

Entenfedern dienen nur zum Polstern oder zu schweren Betten. Viel besser sind die Federn der Möwen und Meerschwalben, und gut sortierte Hühnerfedern können ebenfalls mit Vorteil verwendet werden. Rebhuhnfedern kommen aus der Hudsonbai nach England; Truthahnfedern werden in Amerika, [* 3] Ungarn [* 4] und Slawonien benutzt. Die Federn von fleischfressenden Vögeln riechen widrig und werden deshalb nicht benutzt. Man erhält im Durchschnitt von 8 Gänsen 1 kg Deckfedern (die obere Bedeckung des Vogels, die von den Kielen befreit werden müssen: geschlissene und von 32 Gänsen 1 kg Flaumfedern.

Die Sonne

Bild 15.20a: Die Sonne
* 5 Sonne.

Die von den gereinigten Gänsen entnommenen Federn schüttet man am besten in einen Korb, rührt sie locker auf, setzt sie der Zugluft aus und schüttet sie endlich in Säcke, um sie an der Sonne [* 5] unter wiederholtem Schütteln und Klopfen so lange hängen zu lassen, bis sie weder Staub noch Geruch mehr verbreiten. In diesen Säcken können die Federn vorteilhaft aufbewahrt werden, wenn man sie in einer trocknen Kammer an der Decke [* 6] aufhängt. Zum Schutz gegen Motten kann man etwas Naphthalin hinzuthun.

Zur Benutzung sollen die Federn wenigstens ein Jahr alt sein, die von toten oder gemästeten Gänsen stammenden dürfen nicht mit den von lebendigen Gänsen entnommenen Federn vermischt werden; ebensowenig darf man Gänsefedern mit Entenfedern mischen, weil sie sich sonst leicht in Klumpen setzen. Der Abgang von Kielen und Unrat beim Reißen der Federn beträgt bei guter Ware 50 g, bei groben und schlechten Federn 240-330 g vom Kilogramm. Alte Federn erkennt man leicht an ihrer geringen Weiße und namentlich an den abgenutzten Spitzen.

Hanc veniam etc. - Han

Bild 8.65: Hanc veniam etc. - Hand
* 9 Hand.

Beimengungen von Thon, Gips, [* 7] Kreide, [* 8] welche das Gewicht der Federn vermehren sollen, erkennt man leicht, wenn man eine Handvoll Federn auf schwarzem Papier stark schüttelt. Um alte Federn zu reinigen, rühre man sie zunächst in einem Sieb mit der Hand [* 9] langsam um, schütte sie dann in einen Korb, der etwa 60 cm weit und 30 cm tief ist, und rühre nun mit einem stumpf abgehauenen Besen ruhig spiralförmig darin herum, ohne den Boden des Gefäßes zu berühren. Die guten Federn fliegen heraus und zwar die Daunen am weitesten, die schlechten und der Unrat bleiben im Korb zurück. Zu gründlicherer Reinigung kocht man die in einem leinenen Beutel [* 10] mit Seifenwasser unter öfterm Drücken und Drehen, schüttet sie dann in Körbe, übergießt sie mit warmem und dann mit kaltem Wasser und trocknet sie schließlich auf einem Boden.

Sind die in Betten klumpig geworden, so genügt einfaches Erwärmen und häufiges Klopfen. Bettfedernreinigungsmaschinen bestehen aus einem geschlossenen Kasten, in welchem sich eine mit Stöcken besetzte Welle dreht, durch welche die Federn aufgelockert werden. Unter dem Kasten befindet sich ein Windflügel, welcher heiße Luft durch ein grobes Drahtgeflecht hindurch zwischen die Federn hineinbläst. Die Abführung des Staubes geschieht durch ein senkrechtes Rohr, welches mit einem Drahtgeflecht verschlossen ist, damit keine Federn fortgeblasen werden können. Enten- und Hühnerfedern macht man elastischer, besser riechend und weniger geneigt, zusammenzuballen, wenn man in einem Kessel voll kochenden Wassers ein wenig Kalk löscht, in dieser schwachen Lauge die ein paarmal aufwallen läßt, sie dann herausnimmt, nach dem Abtrocknen mit reinem Wasser gut auswäscht und zuletzt unter öfterm Aufrühren auf dem Ofen trocknet.

Darlehnskassenvereine

Bild 67.295: Darlehnskassenvereine
* 11 Darlehnskassenvereine.

[Schmuckfedern.]  

Die vorzüglichsten Schmuckfedern sind die Straußfedern, welche aus den Flügeln und dem Schwanz des afrikanischen Straußes (Struthio Camelus) stammen. Die besten Straußfedern kommen aus Oberägypten, Dar Fur [* 11] etc. über Aleppo nach Livorno [* 12] und Marseille. [* 13] Dann folgen die marokkanischen, und die geringsten stammen aus der Sahara und dem Sudân. Auch das Kap liefert viele Straußfedern. Der südamerikanische Strauß [* 14] liefert graue und braune, den Marabufedern ähnliche Schmuckfedern.

Unechte Straußfedern sind zugerichtete Hahnenfedern, welche aus Italien, [* 15] namentlich aus Venedig, [* 16] in den Handel kommen. Reiherfedern, vom Hinterkopf der Männchen verschiedener Reiherarten, wurden im Mittelalter auf Helmen getragen; später verloren sie allmählich an Wert, und jetzt sind sie nur noch im Orient beliebt. Die schönsten Reiherfedern sind tief schwarz und gleichen einem Band, [* 17] welches oben zugespitzt und an den Rändern zart gefasert ist. Diese Federn kommen aus Sibirien, Indien, vom Senegal, aus Guayana etc. Graue und bläuliche Reiherfedern kommen aus Ungarn, Dalmatien und Preußen. [* 18]

Süd-Amerika. Fluß- und

Bild 1.457b: Süd-Amerika. Fluß- und Gebirgssysteme
* 19 Südamerika.

Die sogen. Aigrettes, weiße Federn mit sehr dünnem Schaft, von welchem in kleinen Zwischenräumen feine, paarweise gestellte Fäserchen von seidenartigem Glanz und silberweißer Farbe auslaufen, stammen vom Silberreiher (Ardea Garzetta), die Espadonfedern von dem in Südamerika [* 19] heimischen roten Löffelreiher (Platalea Ajaja); diese Federn sind sehr selten. Marabufedern (Marabouts) sind die Steißfedern verschiedener Storcharten (Ciconia Marabu [* 20] in Indien, C. Argala in Innerafrika, C. Mycteria in Brasilien). [* 21]

Diese sehr kostbaren Federn sind kurz, blendend weiß oder grau, fein zerschlissen, flaumartig weich und zart. Unechte Marabouts stammen vom ostindischen Storch und werden auch aus den Schwanzfedern des Storchs, Pfauhahns und Truthahns nachgemacht. Vom Paradiesvogel in Neuguinea kommt das ganze Gefieder in den Handel zu turbanartigem Kopfputz, zum Schmücken von Hüten etc. Geierfedern (Vulturfedern), aus dem Federkragen am Hals des Geiers, werden roh und gefärbt benutzt. Außerdem dienen zu billigem Federschmuck Hahnen- und Kapaunfedern, ferner Raben-, Fasan-, Kranich-, Schwan-, Gans-, Tauben-, Truthahn- und Pfauenfedern. Aus Papageifedern werden Federblumen dargestellt.



Federn - Fedtschenko

Bild 6.95: Federn - Fedtschenko
* 23 Seite 6.95.

Die Federschmückerei beschäftigt sich mit der Herrichtung der Federn zu Schmuckgegenständen. Man reinigt sie durch ein Seifenbad, legt sie mehrere Stunden in eine lauwarme Lösung von rotem chromsauren Kali mit Salpetersäure, spült und behandelt sie mit schwefliger Säure, bis sie hinreichend gebleicht sind. Die Federn, welche weiß bleiben sollen, werden mit Indigkarmin schwach gebläut. Um die Federn zu trocknen, behandelt man sie mit einer Mischung von kaltem Wasser mit Stärke [* 22] oder fein geschlämmter Kreide, nimmt sie sodann heraus und schlägt mit der Hand, mit welcher man die Federn hält, auf den Vorderarm der andern Hand. Hierbei werden die Fransen der Bärte voneinander getrennt, indem die Kreide- oder Stärketeilchen mit Gewalt aus den Zwischenräumen herausgetrieben werden. Zum Färben der Federn dienen jetzt

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allgemein Anilinfarben, nur Schwarz muß man mit Eisenbeize und Farbhölzern herstellen. Um die Federn zu kräuseln oder zu frisieren, zieht man sie an allen Stellen mehrmals zwischen dem Daumen und einem glatten Horn oder einer stumpfen Messerklinge durch. Vielfach dienen Federn gefärbt und ungefärbt in der Blumenmacherei. Federmosaik besteht in Zeichnungen, meist Abbildungen von Vögeln, die man durch auf Papier geklebte Federn hervorbringt. Federstickerei wird in Salzburg, [* 24] Tirol [* 25] etc. als Verzierung auf ledernen Gürteln getragen.

Man bedient sich dazu des harten, weißen Rückens der Schäfte der Pfauenfedern und näht damit wie mit einem Faden [* 26] beliebige Zeichnungen in das Leder. Als Federpelzwerk dient der Balg einiger Wasservögel, welcher wie das Pelzwerk [* 27] der Säugetiere benutzt wird. Man läßt den Balg unverändert oder entfernt die Deckfedern und läßt nur das flaumige Unterkleid stehen. Besonders schön ist das Fell des auf einigen Seen Hollands, dem Bodensee, Genfer See, Neuenburger See lebenden Steißvogels, Haubentauchers oder Grebers, Podiceps cristatus (Grebenfelle). Unter demselben Namen kommt auch das Fell eines andern Steißvogels vor, welches größer, aber weniger schön und glanzlos ist. Ein zartes, flaumig weiches Pelzwerk gewinnt man in Holland vom Schwan, bisweilen auch von der Gans und vom grauen Geier. Früher wurde auch auf dem Webstuhl [* 28] Federpelzwerk dargestellt.

Posen

Bild 13.268a: Posen
* 29 Posen.

Schreibfedern stammen größtenteils von der Gans, und man verwendet als Posen [* 29] die fünf äußersten Schwungfedern jedes Flügels, von denen die zweite und dritte (Schlachtposen) die besten sind. Die im Mai und Juni von selbst ausgefallenen sind viel wertvoller als die gerupften. Zum Verkauf werden sie durch Erwärmung erweicht, wiederholt unter einer stumpfen Messerklinge durchgezogen, dann wieder rund gedrückt, getrocknet und durch Abreiben mit wollenen Lappen geglättet. Durch Erweichen in heißem Alaunwasser werden die Posen durchsichtig hell (Glasspulen). Früher ganz allgemein im Gebrauch, sind sie jetzt von den Stahlfedern (s. d.) fast gänzlich verdrängt.