P1: So waren die Jahre 1994 bis 2003
- ️Wed Mar 19 2014
Stand: 19.03.2014, 15:37 Uhr
München - Am Donnerstag feiert das P1 30. Jubiläum, dabei gibt's die Promi-Disco eigentlich schon viel länger. Wir werfen einen Blick zurück auf die wildesten Geschichten aus dem "Oanser". Heute: die Jahre 1994 bis 2003.
Eigentlich wollte Michael Käfer mit seinem P1 nicht raus, weg vom Ostflügel des Haus der Kunst, das ihm zehn Jahre lang Heimat für exzessive Parties war und den legendären Ruf des P1 mit der „härtesten Türe der Republik“ bescherte. Aber es half nichts, das Museum wollte sanieren und die Räume künftig als Ausstellungsfläche nutzen. Da bot es sich an, dass auf der anderen Seite des Haus der Kunst, unter dem Westflügel, Burkhard Hoffmann gerade sein ungarisches Restaurant Piroschka aufgab. Am 4. November 1994 ging dort „die Party fast nahtlos weiter“ erinnert sich der damalige Geschäftsführer Franz Rauch, „auch wenn die Decke niedriger war und wir keine Galerie mehr hatten“. Dafür aber eine üppige Terrasse zum Englischen Garten. „Da waren wir damals mit dem Nachtcafé der erste Club mit diesem Sommer-Feeling“, sagt Rauch. „Heute ist das fast für jede Diskothek ein Must.“
In den 90er-Jahren wuchs die Konkurrenz, allein im Osten gab Wolfgang Nöth auf seinem Kunstpark Ost mehr Clubs ein Zuhause, als es zehn Jahre zuvor in der ganzen Stadt gab. „Wir mussten mehr bieten, um uns zu behaupten“, das war Rauch schnell klar. Busen, Bier und bunte Lichter reichten da lange nicht mehr aus. Was das P1 von den Mitbewerbern abhob, waren die täglichen Öffnungszeiten, der freie Eintritt – der allerdings durch hohe Getränkepreise wieder kompensiert wurde – und seine einmaligen Geschichte(n): Die zweite Dekade von 1994 bis 2003.
Fit fürs neue Jahrtausend
Im Frühjahr 2003 präsentierte Michael Käfer stolz das nigelnagelneue P1, für das der italienische Stararchitekt Matteo Thun drei Million Mark hatte ausgeben dürfen. Inklusive neuer, großer Terrasse mit Ledersofas und Feuerstellen, einem zweiten Dance-floor und auch allerlei Schnickschnack. Das P1 war also wieder fit für’s neue Jahrtausend …
30 Jahre P1: Skandal-Partys und Promis
Feuerstein-Party
Auch in der zweiten Dekade gab’s einen Aufreger zum Sommerfest. Das Motto: „Familie Feuerstein“ anlässlich des gleichnamigen Kino-Blockbusters 1994. Als Einladung verschickte das P1 neben einem gedruckten Papier auch einen eingeschweißten Schweineknochen. Was keiner bedachte: Der Sommer war heiß, die Post streikte, die Fleischreste an den Knochen fingen zu stinken an. Einer der Adressaten, TV Kommissar Siegfried Lowitz (Der Alte), dachte beim Öffnen des Briefkastens an ein Verbrechen und schaltete die Polizei ein. Dabei hätte das P1 eigentlich Bescheid wissen müssen. Schon Jahre zuvor mussten sie faulende Tintenfischchen als Einladung von der Post zurücknehmen, ihr Sommerfest daraufhin verschieben …
Verena & Olli
Wenn die Belegschaft der Säbener Straße zum Feiern ging, war zumindest vor der Zeit der allgegenwärtigen „Leser-Reporter“ das P1 zusammen mit dem Maximilian’s die erste Adresse. Auch für Torwart-Titan Oliver Kahn, dem dort 2002 die hübsche Barkeeperin Verena Kerth auffiel. Die beiden verliebten sich, Kahn trennte sich für Verena K., wie die Barkeeperin damals in der Presse hieß, von Frau Simone. Die Zeit im P1 will Verena, heute Moderatorin bei Radio Energy, nicht missen. „Das P1 und ich haben uns gegenseitig viel zu verdanken.“ Sieht Rauch ähnlich: „Sie ist mein Lieblingspromi, weil ich ihr siebenstellige Presse zu verdanken habe, auch wenn’s schon über zehn Jahre her ist.“
In den Sand gesetzt
Die wichtigste Zutat für einen funktionierenden Club: „Mädchen, Mädchen, Mädchen“, sagt Franz Rauch. Je freizügiger desto besser, weshalb sich zum Hype um die Baywatch-Serie in den 90er-Jahren auch ein Sommerfest mit gleichem Motto anbot. Diese Überlegung zumindest ging auf, auf der mit acht Tonnen Sand ausgelegten Terrasse dehnten und räkelten sich die Badenixen in knappsten Bikinis. Freude an dem Fest hatten aber nicht nur die männlichen Gäste. Weil die Einladung, für die sich die gesamte P1-Crew in Baywatch-Position warf, ein Logo der Serie zierte, trat die Vermarktungsagentur des Lizenzgebers auf den Plan und drohte mit einer Schadenersatzklage in sechsstelliger Höhe. Man könne sich aber auch so einigen, wenn man für die Deko die vielen schönen Merchandising-Artikel und Werbemittel verwenden würde, die sie im Keller parat hätten. Kostet halt.
Hollywood auf der Schaukel
So richtig auf dem Schirm hatte ihn damals niemand. Nach der Vorführung des Films Jim Carroll – In den Straßen von New York präsentierte Filmfest-Chef Eberhard Hauff überraschend noch den Hauptdarsteller, einen gewissen Leonardo DiCaprio. Nur eingefleischte Cineasten holten sich danach Autogramme, vollkommen unbehelligt feierte der 21-Jährige danach im P1, tanzte sich den Wolf und relaxte auf der Terrasse standesgemäß in der Hollywood-Schaukel.
Der Abriss
2002 war das P1 nach acht Jahren Dauerparty reif für eine Erneuerung. Am 18. August durften die Gäste mit der Einser-Crew und eigens bereit gestelltem Werkzeug selbst Hand an den Abriss legen und sich Souvenirs ihres Stammhauses mitnehmen. Vier Tage später feierte der Club im Terrassensaal des Haus der Kunst und der benachbarten Goldenen Bar die Eröffnung ihrer Ausweich-Location während des gut sechsmonatigen Umbaus.
Teure Watschn
Als „teuerste Watschn der Justizgeschichte“ betitelte die tz am 17. August 2001 die Ohrfeige, die der damalige Kapitän des FC Bayern einer 39-Jährigen verpasste. In der Nacht zum 1. Oktober des Vorjahres war der Stefan Effenberg mit seiner Frau Martina und Freunden nach einem feucht-fröhlichen Wiesn-Besuch ins P1 eingelaufen und nahm an einem Tisch Platz, der bereits für andere Gäste reserviert war. Soweit die Fakten, danach gehen die Versionen auseinander. Die eine: Die Leute, die noch am Tisch saßen, soll der ehemalige Nationalspieler sofort angepöbelt haben, worauf es zum Streit und einem unvermittelten Schlag Effenbergs ins Gesicht der Dame kam, das danach in einer Klinik behandelt werden musste. Stimmt nicht, sagte Effenberg, es war Notwehr, weil ihm die Lady ein volles Glas Schampus ins Gesicht geschüttet hatte und er sie nur in einer Abwehrreaktion am Kopf traf. Trotzdem erging Strafbefehl über 400 000 Mark, gegen den Effe Einspruch einlegte. Schließlich wurde das Verfahren gegen Zahlung von 125.000 Mark eingestellt.