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Independent-Film [Das Lexikon der Filmbegriffe]

  • ️Fri Mar 22 2030

Film, der nicht mit Mitteln eines großen Studios finanziert oder nicht von einem großen Filmverleih verliehen wird. In den frühen 1910er Jahren bezeichnete man in den USA Filmproduzenten wie Carl Laemmle oder Jesse Lasky als Independents, die nicht zum trust gehörten, dem Zusammenschluss der wichtigsten Filmfirmen wie Edison, Biograph und Pathé, die zwischen 1908 und 1911 ein Quasi-Monopol auf dem amerikanischen Filmmarkt hielten. In der klassischen Hollywood-Ära waren Independents Produzenten wie David O. Selznick, Samuel Goldwyn oder Walter Wanger, die ihre Filme ohne Bindung an ein bestimmtes Studio produzierten und diese üblicherweise über United Artists verliehen, die Filmfirma von Charles Chaplin, D.W. Griffith, Douglas Fairbanks und Mary Pickford. Die Independent-Filme der klassischen Ära waren in der Regel thematisch gewagter und produktionstechnisch aufwändiger als die üblichen Studioproduktionen. Produziert von David O. Selznick, wenn auch verliehen von MGM, ist Gone with the Wind (Vom Winde verweht, USA 1939, Victor Fleming) der erfolgreichste Independent-Film der klassischen Ära (sowie der erfolgreichste Film aller Zeiten).
In den 1960ern und 1970ern etablierte sich der Begriff Independent als Bezeichnung für alle Filme, die gänzlich außerhalb der Industrie entstanden. Im Zug dieser Entwicklung wurde Independent auch zu einer ästhetischen Kategorie, zur Bezeichnung für Filme, die stilistisch merklich von den Mustern der Hollywood-Produktion abwichen und beispielsweise ohne Stars auskamen.

Literatur: Jahn-Sudmann, Andreas: Der Widerspenstigen Zähmung? Zur Politik der Repräsentation im gegenwärtigen US-amerikanischen Independent-Film. Bielefeld: Transcript 2006.

Referenzen