Berliner Untergrundbahn
Berlins U-Bahnstrecken
Die U3 verbindet Zehlendorf, Dahlem und Wilmersdorf mit dem westlichen Zentrum am Wittenbergplatz. Zum größten Teil entstand sie durch die Initiative der Stadt Wilmersdorf. Eine große Bedeutung hat sie vor allem aufgrund des Studentenverkehrs zur Freien Universität an den Stationen Dahlem-Dorf und Thielplatz.
Die Wilmersdorfer Untergrundbahn
Wittenbergplatz -
Breitenbachplatz
Die Wilmersdorfer U-Bahn in BVG-Liniennetzen 1955 und 1961
Die Situation um den Nürnberger Platz in einem
BVG-Liniennetz 1955
Die Wilmersdorfer
U-Bahn im Liniennetz der BVG-West von Dezember 1961
Hier ohne U-Bhf. Nürnberger Platz, stattdessen mit Augsburger- und
Spichernstraße
Ein Vorkriegsplan dieser Gegend finden Sie in der Streckenbeschreibung zur Dahlemer Schnellbahn
Vorgeschichte:
Wilmersdorf war eine Landgemeinde, die aufgrund ihrer relativen Nähe zur Reichshauptstadt bereits früh einen erhöhten Zuzug durch Berliner Bürger zu verzeichnen hatte. Wilmersdorf begann frühzeitig mit der baulichen Erschließung des Geländes um die heutige Bundesallee und dem Hohenzollerndamm, so dass hier um 1895 bereits eine erhöhte Bautätigkeit zu erkennen war. In wenigen Jahren waren die Gebiete entlang der Uhlandstraße und bis hin zum Fehrbelliner Platz erschlossen. Unter diesen Rahmenbedingungen gab es im Stadtrat von Wilmersdorf bereits 1899 erste Überlegungen zum Bau einer Schnellbahn, die diese Wohngebiete mit dem Berliner Stadtzentrum verbinden sollte. Diese Bahn sollte am Zoologischen Garten beginnend dem Hohenzollerndamm folgend bis zur heutigen Clayallee geführt werden. Um 1904 wurden die Pläne konkretisiert, als man nun als stadtseitigen Endpunkt den auf Charlottenburger Boden liegenden Wittenbergplatz ins Auge fasste. Dort nämlich bestand seit 1902 ein Haltepunkt der Berliner Hochbahn. 1907 äußerte sich die Hochbahngesellschaft erstmalig öffentlich zum möglichen Bau einer Verstärkungslinie vom Wittenbergplatz zum Gleisdreieck und offerierte gleichzeitig der Stadt Wilmersdorf gegenüber die technische Möglichkeit, die Wilmersdorfer U-Bahn am Wittenbergplatz in das Netz der Hochbahn einzufädeln. Hier trafen sich die Interessen der stark wachsenden Stadt Wilmersdorf, die in zwischen erhebliche Verkehrsprobleme hatte mit der Hochbahngesellschaft, die wiederum gewinnbringende U-Bahnstrecken bauen wollte. Hierdurch erhielt das Wilmersdorfer U-Bahnprojekt einen enormen Auftrieb. Nun ging man in Wilmersdorf an die Detailplanungen in Zusammenarbeit mit der Hochbahngesellschaft: Die Hochbahngesellschaft würde den notwendigen Umbau des Bahnhofs Wittenbergplatz und den Bau der Wilmersdorfer Strecke bis zum projektierten Bahnhof Nürnberger Platz übernehmen, somit also bis zur Charlottenburg-Wilmersdorfer Stadtgrenze. Von da an plante die Stadt Wilmersdorf den Bau der unterirdischen Strecke durch die weitere Spichernstraße und dann weiter unter dem Hohenzollerndamm bis zum Fehrbelliner Platz, dem künftigen Stadtzentrum Wilmersdorfs. In diesem Streckenverlauf waren die Bahnhöfe Hohenzollernplatz und Fehrbelliner Platz vorgesehen. Von vornherein war eine Weiterführung dieser Linie Richtung Süden vorgesehen, wo bislang noch keine bauliche Tätigkeit stattfand. Schnell fanden sich Terraingesellschaften, die sich nach dem Kauf der Ländereien enorme Gewinne versprachen. Sie begannen mit der Erschließung der Gebiete bis zum Rastatter Platz und boten der Stadt Wilmersdorf einen Baukostenzuschuss von zwei Millionen Mark für die U-Bahn. Nun also war klar, dass die U-Bahn ab dem Fehrbelliner Platz über den Heidelberger und zukünftigen Rüdesheimer Platz bis zum Rastatter Platz weitergeführt werden würde. Aber schon bald zeigte sich, dass auch der Rastatter Platz nicht der Endpunkt dieser Linie sein würde: Die "Königliche Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem", die im Auftrage des Preußischen Fiskus operierte, zeigte bereits 1908 starkes Interesse an an einer Erschließung ihrer Ländereien durch dieses U-Bahnprojekt, denn auch hier waren handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel. Die "Dahlemkommission" erklärte sich bereit, das U-Bahnprojekt ab Rastatter Platz auf eigene Kosten bis zum Thielpark weiter zu führen und darüber hinaus der Stadt Wilmersdorf einen Baukostenzuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Mark zu zahlen. Die Interessensparteien waren sich schnell einig, so dass entsprechende Verträge erstellt werden konnten, wonach die U-Bahn nun vom Wittenbergplatz bis zum Thielplatz reichen würde.
Ernsthaft gefährdet war dieses U-Bahnprojekt im Frühjahr 1909, als Charlottenburg plötzlich der Hochbahngesellschaft die Baugenehmigung der Strecke Wittenbergplatz - Nürnberger Platz versagte. Für Wilmersdorf, wo die U-Bahnplanung bereits in einem sehr fortgeschrittenen Stadium war, war dies ein Schock. Der Hintergrund auf Seiten der Stadt Charlottenburg war, dass diese Stadt eine U-Bahn ab dem Wittenbergplatz unter dem Kurfürstendamm nach Lietzensee plante. Mit dieser U-Bahn sollte die Bau- und Geschäftstätigkeit am Kurfürstendamm entscheidend gefördert werden. Außerdem legte Charlottenburg der Stadt Wilmersdorf nahe, die Wilmersdorfer U-Bahn an der Leibnitzstraße aus der Ku'damm-Strecke auszufädeln. Hierzu war Wilmersdorf unter keinen Umständen bereit. Zum einen weil Wilmersdorf einen direkten Weg zum Wittenbergplatz wünschte und zum zweiten weil die Strecke den (bereits dicht bebauten aber bislang wenig erschlossenen) Hohenzollernplatz mit anbinden wollte.
Die Hochbahngesellschaft hatte sowohl an der Wilmersdorfer Strecke wie auch an der Charlottenburger Ku'damm-Strecke interessiert. Aus diesem Grunde sorgte die Hochbahngesellschaft für den Bau nicht nur der Strecke zum Nürnberger Platz sondern auch der Strecke unter dem Kurfürstendamm. Charlottenburg gewährte einen Baukostenzuschuss von 2,3 Millionen Mark. Der Streit zwischen Wilmersdorf und Charlottenburg konnte mit Hilfe des Ministers für öffentliche Arbeiten, Paul von Breitenbach, im Sinne Wilmersdorfs geschlichtet werden. Als Dank Wilmersdorfs wurde der im baulichen Entstehen befindliche Rastatter Platz in Breitenbachplatz umbenannt. Hiermit war der Bau der Wilmersdorfer U-Bahn so weit frei, dass am Hohenzollernplatz mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden konnte. Am 5. Oktober 1909 erfolgte eben dort die feierliche Grundsteinlegung, wonach der Bau auf gesamter Länge begonnen werden konnte.
Grundstein der Wilmersdorfer Untergrundbahn im Bahnhof
Hohenzollernplatz
Am 12. Oktober 1913 schließlich konnte die neue Wilmersdorf-Dahlemer Schnellbahn in Betrieb genommen werden, dem ein Einweihungsfest am 9. Oktober vorausgegangen war. Am Wittenbergplatz erfolgte nun die Ausfädelung der Wilmersdorfer Strecke aus der U-Bahnstecke zum Zoo sowie der ebenfalls neuen Kurfürstendammstrecke, wobei der Bahnhof Wittenbergplatz von zwei auf fünf Bahnsteiggleise vergrößert wurde. Die Hochbahngesellschaft baute die Strecke bis hinter den Bahnhof Nürnberger Platz, wobei Wilmersdorf gewisse Mitspracherechte in der architektonischen Gestaltung zugebilligt wurden. Von da an baute die Stadt Wilmersdorf die Strecke weiter mit den fünf neuen Bahnhöfen Hohenzollernplatz, Fehrbelliner Platz, Heidelberger Platz, Rüdesheimer Platz und Breitenbachplatz; Bahnhöfe die voll und ganz den architektonischen Vorstellungen Wilmersdorfs entsprechen. Der fortführende unter der Schorlemmer Allee ab Breitenbachplatz sowie die gesamte weitere Einschnittstrecke ab Podbielskiallee mit den drei Bahnhöfen Podbielskiallee, Dahlem-Dorf und Thielplatz entstanden auf Kosten der Dahlemkommission.
Die Bahnhöfe:
Bahnhof existiert seit 1959 nicht mehr.
Tunnelbahnhof mit Mittelbahnsteig und vorgelagerten Vorhallen. Die Bauausführung oblag der Hochbahngesellschaft unter dem Architekten Grenander. Der nördliche Zugang dagegen entstand nach Plänen des Wilmersdorfer Architekten Wilhelm Leitgebel. Dieser Zugang entsprach voll und ganz den Wilmersdorfer Architekturvorstellungen, was an den steinernern Umwehrungen deutlich wird, während Grenander den übrigen Bahnhof an den Innenstadtbahnhöfen orientierte. Der Bahnhof erhielt stählerne Mittelstützen, wie sie auch auf dem Bahnhof Uhlandstraße zu finden sind. Überhaupt entsprach der Bahnhof Nürnberger Platz innerlich weitgehend dem Bahnhof Uhlandstraße der Ku´damm-Strecke. Die gefliesten elliptischen Stationsfelder und Reklametafeln waren grün umrandet.
Schon in den 20er Jahren wurde der schöne Wilmersdorfer Zugang durch einen einfachen Stahlgeländer-umwehrten Eingang ersetzt, wie er auch am Bahnhof Zoo entstand. Nach dem Krieg befand sich dieser Bahnhof in einer Stadtbrache, da hier vieles zerstört wurde. Ein Wiederaufbau dieser Gegend setzte erst Mitte der 50er Jahre ein.
Am 1.Juni 1959 wurde dieser Bahnhof stillgelegt und durch den 100 Meter entfernten Bahnhof Spichernstraße ersetzt. Heute erinnert nichts mehr an diesen Bahnhof. Dort befindet sich heute eine zweigleisige Kehrgleisanlage.
U-Bahnhof Nürnberger Platz, Blick Richtung Spichern- und Prager Straße mit den
großbürgerlichen Mietshäusern.
Was müssen das für Wohnungen gewesen sein?
Aufnahme von 1913
U-Bhf. Nürnberger Platz, Blickrichtung Süden, Aufnahme Mitte 50er Jahre
Unterpflasterbahnhof unter der Mittelpromenade des Hohenzollerndamms. Beidseitig sind Zugänge mit Vorhallen vorgelagert. Die künstlerische Ausstattung spiegelt deutlich die Wilmersdorfer Geltungsbedürfnisse wider: Es wurde an nichts gespart. Beeindruckend sind die Pfeilerumwehrungen der U-Bahneingänge und die Vorhallen. Die Wände sind durch Pilaster gegliedert und sehr plastisch gestaltet. Anstatt einer schlichten Decke aus Preußischen Kappen wurde eine Kassettendecke mit Kleinmosaik-Einlagen für den gesamten Bahnhofsbereich gewählt. Anstatt der sonst üblichen Stahlstützen wurden (übrigens auf allen Wilmersdorfer Bahnhöfen) massive Granitpfeiler mit mächtigen Kapitellen verwendet. In der nördlichen Bahnhofswand hinter dem Gleis Richtung Krumme Lanke fällt ein massiver integrierter Granitklotz auf: Er trägt die Aufschrift: "Grundstein 5. Oktober 1909". An dieser Stelle begann damals der Bau dieser U-Bahnstrecke.
Architekt dieses Bahnhofes war Wilhelm Leitgebel, ein Wilmersdorfer Stadtbeamter. Er entwarf alle Wilmerdorfer U-Bahnhöfe.
1954 wurde der westliche, der Uhlandstraße zugewandte Zugang umgebaut. Er blieb aber weitgehend in der alten Gestaltung erhalten. Dies geschah mit Rücksicht auf den zu verbreiternden Hohenzollerndamm. Bei dieser Gelegenheit wurden die Pfeiler des Portals mit den Adlern von der Vorderseite des Zugangs an die Hinterseite versetzt und diagonal getauscht: Die Adler, die voneinander weg schauten, schauen sich nun an. Das Steingeländer wurde völlig erneuert. Der in der Parkanlage des Hohenzollernplatzes befindliche Ostzugang wurde nicht verändert, befindet sich nun aber nach dem Ausbau des Hohenzollerndamms auf dessen Straßenmitte.
Noch bis Ende 1980 hatte dieser Bahnhof seine ursprüngliche Beleuchtungsanlage mit Glühlampen. Erst damals wurde die Anlage auf Neonlampen umgebaut.
Früher gab es auch auf diesem Bahnhof Reklame. Darauf wurde aber seit den 80er Jahren verzichtet, da die Flächen ohnehin nicht das heute übliche Einheitsformat haben. Ende der 80er Jahre wurden Bildnisse der Hohenzollern und ihrer Besitztümer montiert.
Der Hohenzollernplatz um 1915
Damals noch ein Schmuckplatz für das Großbürgertum.
In der Platzmitte links ist der östliche U-Bahneingang erkennbar. Dieser
Eingang ist heute noch unverändert erhalten. 1954/55 wurde quer über den Platz
eine zweite Richtungsfahrbahn für den Hohenzollerndamm gelegt, wodurch der
U-Bahneingang nun auf einer schmalen Verkehrsinsel liegt. Im Übrigen ist die
Randbebauung im Krieg größtenteils zerstört worden.
U-Bahnhof Hohenzollernplatz
Aufnahme von 1913
In späteren Jahren wurde über dem Portal ein Metallbogen montiert, der ein
"U"-Transparent trug.
1954 wurde der Eingang umgebaut, wobei das Geländer erneuert wurde und die
Adler diagonal getauscht an die hintere Umwehrung versetzt wurden. Dies erfolgte
aus Sicherheitsgründen während des Ausbaus des Hohenzollerndamms.
U-Bahnhof Hohenzollernplatz
Aufnahme 50er Jahre
Dieser Bahnhof zeigt sich, bis auf die Beleuchtungsanlage, noch heute in seinem
Erscheinungsbild von 1913.
Die Glühbirnen als Bahnhofsbeleuchtung verschwanden erst 1980.
U-Bahnhof Hohenzollernplatz
Abschlusstor in den Vorhallen
Gleichartige Gittertore gab es auch am Fehrbelliner Platz
U-Bhf. Hohenzollernplatz
Bild: untergrundbahn.de
U-Bhf. Hohenzollernplatz, östlicher Eingang
In leichter Krümmung liegender U-Bahnhof mit Mittelbahnsteig. Vorgelagert sind die Zugänge mit Vorhallen. Die Wände wurden mit grün-bräunlich gehaltenen Fliesen aus der Werkstatt Richard Mutz & Rother gestaltet. Die achteckigen Mittelstützen erhielten eine Fliesenverkleidung mit dunkelroter "Mutzkeramik". Auch dieser Bahnhof wurde von Leitgebel entworfen. Ursprünglich war ein dritter Zugang in der Bahnhofsmitte vorgesehen. Er sollte in sehr repräsentativer Form gestaltet werden, da der Fehrbelliner Platz damals als Mittelpunkt der Stadt Wilmersdorf vorgesehen war. Dieser dritte Eingang ist in dieser geplanten Form nie entstanden. Der einst als mit herrschaftlichen Gebäuden umplante Platz blieb zum Teil bis in die 30er Jahre unbebaut und wurde dann mit Verwaltungsgebäuden im nationalsozialistischen Monumentalstil versehen.
1968-72 wurde der Bahnhof erheblich umgestaltet, wobei die Bahnsteighalle glücklicherweise unverändert blieb. Neu war ein dritter Bahnhofszugang, er besteht aus einem tiefer liegenden Verbindungsgang, der in eine neue geräumige Vorhalle mündet, die im Zusammenhang mit dem Bau der Linie 7 entstand. Damit dieser Treppenabgang sich harmonisch in das Bild dieses Bahnhofs einfügt, mussten zeitgenössische Geländer her: Die fand man in den 60er Jahren an der Kaiserdammbrücke, die wegen des Stadtautobahnbaus umgebaut werden musste. Teile der Geländer aus der Zeit von 1908 fanden hier Verwendung. Die übrigen Zugänge wurden damals allerdings völlig verfremdet und dem Geschmack der Zeit angepasst. Der Südzugang zum Beispiel wurde mit einem Gebäude überbaut. Dieses auffallende rot-grüne Gebäude auf der Platzkreuzung beherbergt Einrichtungen der BVG und wird von den Berlinern treffend "Bohrinsel" genannt. Mit Sicherheit ist diese "Bohrinsel" eine Bereicherung der ansonsten recht tristen Platzanlage.
Seit Januar 1971 kann hier zur Linie 7 Richtung Britz umgestiegen werden.
1978 wurden die Reklameflächen mit Bildnissen von "Heinrich Zille seinem Milljöh" versehen. Zille beschrieb ja eigentlich das ärmlichere Berlin, zudem diese Gegend mit Sicherheit aber nicht gehörte.
U-Bahnhof Fehrbelliner Platz
Aufnahme 50er Jahre
Auch dieser Bahnhof, zumindest die Bahnsteighalle, zeigt sich heute noch in
seinem Erscheinungsbild von 1913.
Nur das Beste: Mutz-Keramik für die Bahnhofs-Wände
U-Bhf. Fehrbelliner Platz, oberer Bahnsteig (U3)
Die von der BVG so geliebten Gittersitze und die moderne
Bahnhofs-Hängebeschilderung im BVG-CD wirkt in diesem Ambiente recht
deplatziert.
Bild: untergrundbahn.de
Zwischen den Bahnhöfen Fehrbelliner Platz und Heidelberger Platz folgt die U-Bahn der Barstraße. Im Zuge dieser Straße wird das Wilmersdorfer Fenn gekreuzt, ein altes Moorgebiet, das sich von Schöneberg bis in den Grunewald fort setzt. In der Zeit um 1910 wurde dieses Gebiet (der "Schwarze Graben") zu einer Parklandschaft umgestaltet. Allerdings gab es an der Barstraße (wie auch in Schöneberg an der Innsbrucker Straße) das Problem, dass eine U-Bahn dieses sumpfige Gelände durchqueren sollte.
Die Stadt Wilmersdorf löste das Problem genauso wie Schöneberg in den Jahren 1908-10: Auf einer umfangreichen Pfahlgründung wurde der U-Bahntunnel gebaut, der seitlich offene Wandelgänge erhielt und durch die Barstraße überdeckt wurde. Dem Nutzer der U-Bahn bot sich bei der Tunnelfahrt ein Ausblick in die schönen Parklandschaften beiderseits der Strecke.
Leider aber erwies sich dieses Bauwerk für den weichen Untergrund als viel zu schwer, weshalb es Setzungen gab. Der BVG blieb in den Jahren 1934/35 nichts anderes übrig, als das Gewicht erheblich zu reduzieren. Daher wurde das Bauwerk entkleidet und nur vereinfacht wieder aufgebaut. Hierbei musste leider auch auf die Wandelgänge beiderseits des U-Bahntunnels verzichtet werden. Die Tunnelöffnungen wurden mit Betonformsteinen vermauert, womit nur noch kleine Licht- und Luftöffnungen übrig blieben.
Architekt des ursprünglichen Bauwerks war Wilhelm Leitgebel. Bis in die 30er Jahre hatte die heutige Barbrücke den Namen Seeparkbrücke. Die Barstraße selbst, unter der die U-Bahn verläuft, heißt seit 1892 so.
Die leider viel zu schwere Seeparkbrücke vor ihrem Umbau in den 30er Jahren:
Hinter den Rundbögen befand sich ein Wandelgang und dahinter der U-Bahntunnel.
Oben auf der Brücke die Barstraße.
Aufgrund der Unterquerung der Ringbahn musste der U-Bahnhof in größerer Tiefe angelegt werden. Der Bahnhof erhielt einen Mittelbahnsteig mit Vorhallen, die in einem Zwischengeschoss angelegt wurden. Das Besondere an diesem Bahnhof ist die Hallenkonstruktion an sich: Es handelt sich hierbei um eine Doppelreihe von Kreuzgratgewölben, deren gedrungene Stützen auf der Bahnsteigmitte angeordnet sind. Durch seinen sakralen Charakter, unterstrichen durch die mächtigen Leuchtkörper, zählt dieser Bahnhof unbestritten zu den schönsten der Berliner U-Bahn! Der Entwurf für diesen Bahnhof stammt von Wilhelm Leitgebel.
1954 wurde der nördliche Zugang, der sich damals auf einer Verkehrsinsel befand, leicht verändert, wobei er das U-Bahntransparent vom westlichen Zugang des Bahnhofs Hohenzollernplatz erhielt. Später, 1967/68 wurde dieser Zugangsbereich vollkommen abgerissen und durch am Straßenrand gelegene Neubauten ersetzt. Die Vorhalle dieses Zugangs aber blieb mit ihren abwechselnd hell und dunkelblauen Fliesen erhalten.
Der Süd-Zugang mit seiner beeindruckenden Pergola-Architektur überlebte bis heute. Zwischen diesem Zugang und dem Bahnsteig vermittelt eine kreisrunde Vorhalle mit einem angeschlossenen längeren Gang. Dieser Gang, der eine bläuliche Verfliesung erhielt, führt zwischen den Gleisen der U-Bahn unter der Ringbahn hindurch und war ursprünglich nur als ein Provisorium vorgesehen, denn schon 1913 dachte man über eine Verbindungstreppe zum Ringbahnhof Schmargendorf nach. All die Jahre unterblieb die Bauausführung, umgesetzt wurde der Plan erst 1993, als der S-Bahn-Südring durch das Land Berlin wieder reaktiviert wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Fahrstuhl mit eingebaut, der S-Bahnhof geringfügig zur U-Bahn hin verlegt und in "Heidelberger Platz" umbenannt.
In den Wandnischen der Bahnsteighalle befinden sich heute Stadtansichten von Heidelberg.
U-Bahnhof
Heidelberger Platz
Aufnahme von 1913
Dieser Bahnhof ist heute noch so erhalten
U-Bahnhof
Heidelberger Platz
Aufnahme von 1913
Auch hier hat es eigentlich gar keine Umbauten gegeben. Das hölzerne
Kassenhäuschen wurde farblich an die blauen Wandfliesen angepasst. Nur der
Treppenaufgang verschwand in den 60ern. Es entstand ein längerer sich gabelnder
Gang.
U-Bahnhof Heidelberger Platz
Aufnahme aus den frühen 70er Jahren
Zugang südlich der Ringbahn an der Assmanshauser Straße
Mit der Pfeilerumwehrung eine Anspielung an den U-Bahnhof Kaiserhof. Der Zugang
ist heute noch so erhalten.
U-Bhf. Heidelberger Platz mit seiner imposanten Bahnsteighalle. So was hatte
selbst Schöneberg nicht zu bieten!
Bild: untergrundbahn.de
U-Bhf. Heidelberger Platz, Verbindungsgang unter der Ringbahn zum Ausgang
Assmannshauser Straße, der damals nur als Provisorium gedacht war.
Bild: untergrundbahn.de
U-Bhf. Heidelberger Platz, nördliche Vorhalle
U-Bhf. Heidelberger Platz, nördliche Vorhalle
U-Bhf. Heidelberger Platz, südlicher Zugang an der Aßmannshauser Straße
Als dieser Bahnhof gebaut wurde, war das Gebiet um diesen Bahnhof noch weitgehend unbebaut. Mit dem Bau des U-Bahnhofes war ein Siedlungsprojekt geplant, es kam jedoch bis 1914 über den Bau von den platzumgrenzenden Bauten nicht hinaus. Der Bahnhof an sich weist einen Mittelbahnsteig auf und hat Zugänge zu beiden Enden des Bahnhofes. Die Architektur nimmt Bezug auf das Rheingau als deutsches Weinanbaugebiet. Die Wände wurden sehr plastisch gehalten und grenzen sich deutlich durch einen Unterzug von der ebenfalls sehr reich gegliederten Decke ab. Die Entwürfe dieses Bahnhofes stammen von Wilhelm Leitgebel.
Der nördliche Zugangsbereich wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und später in wesentlich vereinfachter Form wieder aufgebaut. Erst um 1987 erfolgte ein historisch korrekter Umbau. In dieser Zeit erhielt der Bahnhof in den seitlichen Wandnischen Gemälde, die das Thema Wein aufgreifen. Diese Bilder wurden zwischenzeitlich wegen Vandalismusschäden durch andere Bilder ersetzt. Vandalismus ist gerade auf dieser Strecke in den letzten Jahren zu einem Problem geworden, vor allem seit die BVG das Bahnhofspersonal abgezogen hat.
U-Bahnhof Rüdesheimer Platz
Aufnahme von 1913
U-Bhf. Rüdesheimer Platz, die nahezu unveränderte Bahnsteighalle nach 90
Jahren.
Bild: untergrundbahn.de
Dies ist der letzte Bahnhof, der unter der Leitung der Stadt Wilmersdorf entstand. Er nimmt architektonischen Bezug auf die Naturwissenschaften. In der Nähe entstanden seit 1910 die Institute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute FU). Hierbei handelt es sich um einen Bahnhof mit Mittelbahnsteig und zwei Zugängen mit Vorhallen. Dieser Bahnhof hat auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit dem letzt genannten Bahnhof Rüdesheimer Platz. Auch hier wurden die Wände der Bahnsteighalle reich gegliedert, jedoch wurde die Wandkehlung in der Decke fortgesetzt, dies ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber Rüdesheimer Platz. Die Entwürfe stammten von Wilhelm Leitgebel.
1968 erhielt dieser Bahnhof einen dritten Zugang in der Bahnsteigmitte. Der südliche Zugang wurde erst vor wenigen Jahren erneuert, wobei er die Reste seiner ehemals beeindruckenden Pergola verlor.
Die Bilder in den Wandnischen wurden 1988 montiert. Sie zeigen Motive aus dem Eisenbahnwesen und stammen von J. Szymczak. - Eine deutlicher Bezug zum Bahnhofsnamen: Paul von Breitenbach, nach dem der Bahnhof benannt wurde, war Minister der Öffentlichen Arbeiten und somit auch für die Eisenbahn zuständig. Paul von Breitenbach war Wegbereiter der Wilmersdorfer U-Bahn, im damaligen Konflikt mit der Nachbarstadt Charlottenburg als Vermittler aufgetreten. Als Dank hat die Stadt Wilmersdorf den damaligen Rastatter Platz am 26. August 1913 in Breitenbachplatz umbenannt. So kommt es, dass dieser Bahnhof noch während der Endbauphase den Namen "Rastatter Platz" trug. Unbekannt aber ist, ob die Bahnhofsbeschilderung im Wandmosaik noch als Rastatter Platz ausgeführt wurde - auf Bauzeichnungen war das der Fall.
Dieser Bahnhof befand sich auf der Gemarkungsgrenze zwischen Wilmersdorf und der Domäne Dahlem. Somit war dieser Bahnhof der letzte, der unter der Leitung Wilmersdorfs entstand. Der Streckentunnel dagegen wurde der Länge nach unter der Schorlemer Allee weitergeführt und bereits von der Dahlem-Kommission erstellt.
Der ab 1898 angelegte Breitenbachplatz selbst war einer der typischen Wilmersdorfer Schmuckplätze, auch wenn die Bebauung nicht ganz so großbürgerlich war, wie etwa am vergleichsweise innerstädtischen Hohenzollernplatz. Er wurde vollkommen zerstört, als der Bausenat in den 70er Jahren im Zuge der Schildhornstraße zwischen Steglitz und Wilmersdorf eine Stadtautobahn baute. Diese überquert auf einer Betonbrücke die Platzanlage.
U-Bahnhof Breitenbachplatz
Aufnahme von 1913
U-Bhf. Breitenbachplatz
Bild: untergrundbahn.de
U-Bhf. Breitenbachplatz
Bild: untergrundbahn.de
1958 wurde an der Spichernstraße mit dem Bau eines neuen U-Bahnhofs begonnen. Er sollte eine Umsteigemöglichkeit zwischen der Wilmersdorfer U-Bahn und der neuen Linie G bieten. Dieser Bahnhof wurde in der südlichen Kehrgleisanlage des Bahnhofs Nürnberger Platz angeordnet. Die Kehrgleise wurden zu Hauptgleisen durchgebunden während die alten Hauptgleise entfernt wurden und an ihrer Stelle die Bahnsteige entstanden.
Der Bahnhof wurde am 2. Juni 1959 eröffnet:
Der Bahnhof verfügt über zwei Seitenbahnsteige, wobei an beiden Bahnhofsenden Zugänge vorhanden sind. Im Bereich des Südlichen Zugangsbereiche wurde eine Treppenunterführung unter den Gleisen hindurch gebaut. Die Wände im Bahnhofsbereich wurden mit blauen Fliesen versehen, während die stählernen Stützen lediglich grau gestrichen wurden. Im südlichen Zugangsbereich wurden runde Betonstützen verwendet, die mit Glasmosaik verkleidet sind. Der Zugangsbereich und Verbindungstunnel zur Linie G erhielt sandfarbene Fliesen. Die Decke wurde abgehängt, wobei die Neonlampen in die Decke integriert wurden. Im Zugangsbereich wurden versenkte runde Neonlampen verwendet, die ein recht schattiges Licht spenden. Der separate Bahnsteigbereich der Linie G (heute U9) wurde freilich erst am 28. August 1961 freigegeben.
U-Bhf. Spichernstraße, obere Bahnsteige (U3)
Bild: www.untergrundbahn.de
Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Bahnhofs Spichernstraße wurde der benachbarte Bahnhof Nürnberger Platz geschlossen und in den Folgemonaten völlig entkernt. Sogar die Wandfliesen wurden entfernt. Die gesamte alte Bahnsteighalle wurde zu einer zweigleisigen Kehrgleisanlage umgebaut, wobei ein Kehrgleis an das alte nördlich des Bahnhofs Nürnberger Platz befindliche Kehrgleis angeschlossen wurde. Die Anlage ist von Spichernstraße aus befahrbar.
Da nun der Stationsabstand zum Wittenbergplatz recht lang geworden war, beschloss die BVG einen neuen Bahnhof einzufügen, der sich etwa nördlich des Nürnberger Platzes befindet. Mit seinem Bau wurde 1960 begonnen:
Der Bahnhof präsentiert sich relativ schlicht mit seinen zwei Seitenbahnsteigen. Auch dieser Bahnhof verfügt über Ausgänge zu beiden Enden des Bahnsteiges. Die Wände wurden mit dunkel-orangen Fliesen verkleidet. Wie auch an der Spichernstraße sind die Kappen-Decke und die Mittelstützen-Längsträger durch eine abgehängte Decke verkleidet, wodurch ein sehr dominierender Unterzug entstanden ist.
U-Bhf. Augsburger Straße
Bild: www.untergrundbahn.de
Betriebliche Besonderheit der gesamten Strecke ist, dass die aus Richtung Innenstadt kommenden U-Bahnzüge bis 1929 am Fehrbelliner Platz endeten. Dort musste man damals in kürzere Züge umsteigen, die nach Dahlem fuhren. Dies schien damals erforderlich, da sich der Einsatz der langen Züge ins ländliche Dahlem nicht lohnte. Deshalb wurden 1913 eigens für diese Strecke spezielle U-Bahnwagen beschafft, die allein oder als 2-Wagenzug verkehren konnten. Erst 1929 wurde dieser Umsteigezwang im Zusammenhang mit der Streckenerweiterung zur Krummen Lanke aufgehoben.
Seither fuhren die Züge, als Linie A II bezeichnet, von Krumme Lanke bis zum Alexanderplatz durch, zeitweise sogar bis zum Nordring. Öfters wechselten Ziele und Bezeichnung dieser Linie, bis schließlich im Jahre 1966 die Linie 2 eingerichtet wurde, die bis zum Gleisdreieck verkehrte. 1972 wurde die Linie bis zum Wittenbergplatz zurückgezogen. In diesen Jahren fuhren hier ausschließlich Altbauzüge. Doch das änderte sich ab Anfang 1972, als die letzten A-II-Züge massenhaft aus dem Einsatz gezogen und durch neuere Züge ersetzt wurden.
1993 wurde die Linie 2 mit der östlichen Linie 1 zur neuen U1 zusammengelegt, die 2004 in U3 umbenannt wurde.
Wittenbergplatz Wt | 0,0 +00 |
615 m | |
Augsburger Straße Au | 0,6 +15 |
491 m | |
Spichernstraße Sno | 1,1 +06 |
607 m | |
Hohenzollernplatz Hz | 1,7 +13 |
750 m | |
Fehrbelliner Platz Fpo | 2,4 +63 |
1211 m | |
Heidelberger Platz Hb | 3,6 +74 |
778 m | |
Rüdesheimer Platz Rd | 4,4 +52 |
830 m | |
Breitenbachplatz Bt | 5,2 +82 |
682 m | |
Podbielskiallee |
Nollendorfplatz
-
Krumme Lanke
Weitere Abschnitte dieser Linie: